Wilhelm II. (1859-1941)

Potrait: Wilhelm II.
Wilhelm II. Deutscher Kaiser, König von Preußen, Ludwig Noster, Öl auf Leinwand, 1900, Berlin © LVR-Niederrheinmuseum Wesel

Der älteste Sohn von Friedrich III. und seiner Gemahlin Victoria von Großbritannien und Irland kam nach einem komplizierten Geburtsvorgang mit einem kürzeren und nur eingeschränkt beweglichen linken Arm zur Welt. Als Kind war er den Torturen fragwürdiger Heilmethoden ausgesetzt und vermisste auch als Jugendlicher die Zuwendung seiner Eltern. Das später zerrüttete Verhältnis zu ihnen hat hier wohl seine Ursachen, ebenso das bombastisch-martialische Auftreten des letzten Königs von Preußen und Deutschen Kaisers in der Öffentlichkeit. 

Wilhelm II. ging völlig in der repräsentativen, von ihm selbst neu ausgestalteten Kaiserrolle auf. Dabei vertrug sich sein anachronistisches Herrschaftsverständnis, wonach der Monarch allein Gottes Gnade die Regierungsmacht verdankte, schlecht mit den Realitäten einer zunehmend industrialisierten und politisierten Gesellschaft.

Der Kaiser suchte wie keiner seiner Vorgänger den öffentlichen Auftritt, dokumentiert von Reportern, Fotografen und Kameramännern. Das Erscheinen als omnipräsenter „Medienmonarch“ entsprang wesentlich einem kalkulierten politischen Ziel: Als Symbolfigur der nationalen Integrität stets wahrgenommen zu werden. 

Wilhelm II. übertraf auch mit der Zahl seiner Besuche in der Rheinprovinz seine Vorgänger bei weitem. Für die Jahre 1890-1914 sind über 60 mehrtägige Aufenthalte belegt, abgesehen von zahlreichen Stippvisiten bei Durchreisen. Besondere Verbindungen des Kaisers bestanden nach Bonn, wo er wie sein Vater zwei Jahre studiert hatte (1877-79), wo seine Mitgliedschaft als „Alter Herr“ das „Corps Borussia“ zur exklusivsten studentischen Verbindung werden ließ und wo sein Regiment der „Königshusaren“ stand. Seine persönlichen Kontakte zur Industrieellenfamilie Krupp führten Wilhelm II. insgesamt zwölfmal nach Essen und zur Villa Hügel. Jubiläen, Stiftungstage, Einweihungen, Kaisermanöver und Paraden brachten ihn in alle größeren Städte der Rheinprovinz und auch in deren ländliche Regionen. 

Häufig wurden zwei oder mehr Termine an einem Tag wahrgenommen. So besichtigte Wilhelm II. am 12. August 1899 die Müngstener Brücke über der Wupper, ein Meisterstück deutscher Ingenieursleistung, und anschließend das nahe Schloss Burg, wo er den Anstoß zum völligen Wiederaufbau der mittelalterlichen Ruine gab. Die Orte stehen sinnbildlich auch für die beiden Pole, zwischen denen sich der Kaiser bewegte: Modernität und Rückwärtsgewandtheit.

Auch in der Rheinprovinz stießen die national-romantischen Gesten Wilhelms II. und seine imperialistische Weltpolitik samt Flottenbau auf eine überwiegend positive Resonanz. Ebenso fand gerade hier, in einer Epoche stetigen wirtschaftlichen Aufschwungs, sein förderndes Interesse an Technik und Wissenschaft großen Beifall. Mit seinen erfolgreichen Bemühungen um konfessionellen Ausgleich und Bekundungen einer patriarchalischen Arbeiterfürsorge wurde Wilhelm II. auch in rheinischen Milieus populär, die in Distanz zum preußischen Staat und seiner Regierungspolitik standen. 

Persönlichkeit und Verhalten des Monarchen spiegeln innere Widersprüche des „wilhelminischen“ Reiches und seiner Außenpolitik.  Im Verlauf des Ersten Weltkrieges trat Wilhelm II. als politischer Akteur und im öffentlichen Bewusstsein immer mehr in den Hintergrund. Schon bei seiner offiziellen Abdankung am 28.11.1918 befand er sich bereits im niederländischen Exil, wo er im 1920 bezogenen Haus Doorn bei Utrecht verstarb.Sein Reiterstandbild an der Kölner Hohenzollernbrücke vervollständigte 1911 das Figurenensemble von vier Hohenzollernherrschern hoch zu Roß. Mit Wilhelm II. endete die preußische Monarchie.

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