Wilhelm I. (1797-1888)

Portrait: Wilhelm I.
Wilhelm I. Deutscher Kaiser, König von Preußen, Paul Stankiewicz, Öl auf Leinwand, 1879 (Ausschnitt) © Dauerleihgabe Bundesrepublik Deutschland, LVR-Niederrheinmuseum Wesel

Der zweite Sohn des Königs Friedrich Wilhelm III. und der Königin Luise ergriff zunächst die militärische Laufbahn. Als Oberbefehlshaber der Truppen des Deutschen Bundes schlug er 1849 die letzten revolutionären Aufstände in der Pfalz und Baden nieder. In diesen Jahren haftete an ihm das Etikett eines gewaltbereiten Reaktionärs. 1850 zum Generalgouverneur der Rheinprovinz und Westfalens ernannt, residierten Wilhelm und seine Gemahlin Augusta von Sachsen-Weimar-Eisenach (Hochzeit 1829) bis 1858 im Kurfürstlichen Schloss in Koblenz.

Aufgrund der schweren Erkrankung König Friedrich Wilhelms IV. übernahm Wilhelm 1858 als Prinzregent die Regierungsgeschäfte und wurde nach dem Ableben seines Bruders 1861 König Wilhelm I. von Preußen. Bisherige liberale Hoffnungen auf eine sich anbahnende „Neue Ära“ wurden jedoch nicht erfüllt. Bereits die pompöse, feierliche Selbstkrönung in Königsberg (die zweite und letzte der preußischen Monarchie) war eine bewusste Reproduktion der Inszenierung von 1701 und brachte den Anspruch auf vom Parlament unabhängige königliche Regierungsgewalt zum Ausdruck.

Der Streit über die anlaufende Heeresreform eskalierte zum Machtkampf zwischen Krone und mehrheitlich liberalem Abgeordnetenhaus. Das Parlament schien diesen schon für sich entschieden zu haben, und Wilhelm I. war bereit abzudanken. Der 1862 zum Ministerpräsidenten berufene Otto von Bismarck setzte dann mit einem rigorosen inneren Konfliktkurs die Prärogativen der Krone durch. Auch der Besuch des Königs in der Rheinprovinz 1865 anlässlich derer 50jährigen Zugehörigkeit zu Preußen stand noch im Zeichen des Heeres- und Verfassungskonflikts und des Unmuts der rheinischen Liberalen über den Regierungskurs.

Das änderte sich im Zuge der siegreichen „Einigungskriege“. Bismarck verfolgte, im Bündnis mit nationalen Strömungen, auch außenpolitisch einen Konfliktkurs, der zu einer beträchtlichen Machterweiterung und Vergrößerung Preußens führte. Kurz vor dem Ende des Deutsch-Französischen Krieges 1870/1871 wurde Wilhelm I. im Schloss von Versailles zum Deutschen Kaiser proklamiert. Obwohl er sich aus der Kaiserwürde wenig machte und sich zeitlebens ganz als König von Preußen fühlte, blieb er für eine große Mehrheit der Deutschen der verehrte „alte Kaiser“, dem auch in der Rheinprovinz öffentliche Ovationen zu Teil wurden. Der einstmals verhasste „Kartätschenprinz“ hatte in knapp zwanzig Jahren einen bemerkenswerten Imagewandel erfahren.

An seinem positiven öffentlichen Bild änderte sich auch nichts, als das neue Deutsche Reich mit massiven Repressalien gegen Sozialdemokraten sowie gegen die katholische Amtskirche und den politischen Katholizismus vorging. Der König beugte sich hier wie bei allen wichtigen Fragen stets dem politischen Willen und Urteilsvermögen Bismarcks (seit 1871 auch Reichskanzler). Die öffentliche Verehrung Wilhelms I. steigerte sich noch nach seinem Ableben, zumal man bei seinem kaiserlichen Enkel zunehmend Eigenschaften vermisste, die der Großvater besessen hatte: Bescheidenheit, Festigkeit, öffentliche Zurückhaltung. Das ihm zu Ehren von der Rheinprovinz am errichtete Denkmal Deutschen Eck in Koblenz trat bald den Rang eines Nationaldenkmals.

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