Die Rheinprovinz im deutschen Kaiserreich (1871-1918)

1871

1871

Beginn des staatlichen „Kulturkampfs“ gegen den politischen Katholizismus und die katholische Amtskirche.

Gründung des „Vereins zur Wahrung der gemeinsamen wirtschaftlichen Interessen von Rheinland und Westfalen“ in Düsseldorf.

„Generalregulativ“ der Firma Alfred Krupp in Essen. Gewährung betrieblicher Sozialleistungen an die Arbeiterschaft gegen berufliches und politisches Wohlverhalten. 

1873

1873

„Gründerkrach“. Wirtschaftskrise durch überhitzte Spekulationen, lang anhaltende wirtschaftliche Depression in Deutschland.

1875

1875

Gründung der Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands (SPD) in Gotha.

1876

1876

Absetzung des Erzbischofs von Köln, der Bischöfe von Münster und Paderborn durch die preußische Regierung.

Förderungsbeginn auf der Schachtanlage „Rheinpreußen“ von Franz Haniel in Duisburg-Homberg, der ersten linksrheinischen Steinkohlenzeche des Ruhrbergbaus.

Modell: Schachtanlage Rheinpreußen I und I
Modell, Schachtanlage Rheinpreußen I und II, Duisburg-Homberg, Bauzustand um 1905, Beginn der Förderung 1880, erste linksrheinische Steinkohlenzeche im Ruhrbergbau © LVR-Niederrheinmuseum Wesel

1878

1878

Abkehr Preußens vom Freihandel, Hinwendung zur Schutzzollpolitik im Interesse der Großindustrie und des ostelbischen Großgrundbesitzes.

Konservative werden neuer Bündnispartner der Regierung anstelle der Nationalliberalen.

Verabschiedung des Sozialistengesetztes. Verbot der SPD, deren Versammlungen und Schriften. Verlängerung des Sozialistengesetzes im Jahresturnus.

1880

1880

Einweihungsfeier für den vollendeten Kölner Dom in Anwesenheit Kaiser Wilhelms I.

Fertigstellung des Ständehauses in Düsseldorf für die Rheinischen Provinzialstände.

Bis 1883 stufenweiser Abbau der Kulturkampfgesetzgebung.

Prunkmappe „Historischer Festzug“. Zur Vollendung des Dombaus 1880, Hrsg. Adolf Wallraff, Köln 1880, enthält 21 kolorierte Lithographien © LVR-Niederrheinmuseum Wesel

1881

1881

Zentrum erstmals stärkste Fraktion im Deutschen Reichstag. Es behält diesen Status bis 1912.

1883-1888

1883

Bis 1888 Sozialgesetzgebung Otto von Bismarcks: Gesetzliche Sozialversicherung, Kranken- und Unfallversicherung sowie Invaliditäts- und Altersversicherung.

1886/87

1886/87

Endgültige Beendigung des Kulturkampfes mit den „Friedensgesetzen“ Bismarcks. Erhalten bleiben Verbot der Jesuiten (1904 aufgehoben), „Kanzelparagraph“, obligatorische Zivilehe und staatliche Schulaufsicht.

1887

1887

Einführung der Provinzialordnung. Entstehung des Provinzialverbands der Rheinprovinz als Selbstverwaltungskörperschaft.

1888

1888

„Drei-Kaiser-Jahr“. Tod Wilhelms I., Nachfolge Friedrichs III. und nach bereits 99 Tagen Wilhelms II. als König von Preußen und Deutscher Kaiser.

1889

1889

Bergarbeiterstreiks an der Ruhr, größter Arbeitskampf des 19. Jahrhunderts, Forderungen nach Lohnerhöhungen, Arbeiterausschüssen und 8-Stunden Tag.

1890

1890

Ablehnung der weiteren Gültigkeit des Sozialistengesetzes im Reichstag.

Erlasse Wilhelms II. zur erweiterten Arbeiterschutzgesetzgebung. Beeinflussung der kaiserlichen Sozialpolitik durch den preußischen Minister für Handel und Gewerbe Freiherr von Berlepsch. Dieser hatte bereits als Regierungspräsident  in Düsseldorf paritätische Schiedsgerichte und Arbeitervertretungen in rheinischen Zechen befürwortet.

Entlassung Bismarcks durch Wilhelm II.

Rückgabe von Sperrgeldern aus dem „Kulturkampf“ an die Diözesen. 

Gründung des „Volksvereins für das katholische Deutschland“ in Köln mit Hauptsitz in Mönchengladbach, größte Massenorganisation der Zentrumspartei.

1891

1891

Verlegung der Bayer-Werke nach (Leverkusen)-Wiesdorf durch Carl Duisberg.

1892

1892

Fusion der Unternehmen Bayer und Leverkus.

1893

1893

Gründung des „Rheinisch-Westfälischen Kohlensyndikats“, das die Produktionsmengen und die Preise seiner Mitglieder abstimmt.

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1897

Denkmalboom: Entstehung von Monumental- und Provinzialdenkmäler für Wilhelm I. am Rhein, z.B. in Köln und am Deutschen Eck in Koblenz.

Gründung des Rheinisch-Westfälischen Roheisensyndikats.

1899

1899

Gründung der Landwirtschaftskammer für die Rheinprovinz in Bonn.

1901

1901

Gründung der Handelshochschule Köln.

1902

1902

Industrie- und Gewerbeausstellung in Düsseldorf.

1903

1903

Baubeginn der „Margarethen-Siedlung“ in Duisburg-Rheinhausen für Arbeiter der Friedrich-Alfred-Krupp- Hütte. Erste Gartenstadt-Siedlung im Ruhrgebiet.

1905

1905

Eingemeindung von Meiderich und Ruhrort nach Duisburg. Duisburg-Ruhrort ist größter Binnenhafen Europas.

Baubeginn des Rhein-Herne-Kanals zur Verbindung der Duisburger Häfen mit dem Dortmund-Ems-Kanal, Eröffnung 1914.

1906

1906

Gründung des „Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Heimatschutz“.

Reichsgesetz zur Konfessionalisierung der Volksschulen unter Einfluss auch des rheinischen Zentrums.

1908

1908

Der Erlass „Allgemeine Bestimmungen über die Höheren Mädchenschulen und die weiterführenden Bildungsanstalten für die weibliche Jugend“ ermöglicht Frauen die Immatrikulation an einer Universität. Ein akademischer Grad konnte noch nicht erworben werden.

1912

1912

SPD wird stärkste Fraktion im Reichstag.

1914

1914

Eröffnung der Kölner Werkbundausstellung durch Henry van de Velde. Zusammen mit der „Sonderbundausstellung“ von 1912 präsentiert sich die Rheinprovinz als Raum der Durchsetzung der Moderne in Kunst und Kultur.

Große Antikriegsdemonstrationen der SPD-orientierten Arbeiterschaft in Köln, Düsseldorf und Duisburg (Ende Juli).

Beginn des Ersten Weltkrieges (1. August).

Hauptaufmarsch des deutschen Westheeres in der Rheinprovinz.

Zentrale Beteiligung der Firma Krupp an der Kriegsindustrie auch in den nächsten Jahren.

1916

1916

Erstmalige Herstellung synthetischen Kautschuks in den Bayer-Werken.

Übertragung der 3. und letzten Obersten Heeresleitung (OHL) an Paul von Hindenburg (Chef des Großen Generalstabs) und seinen engsten Mitarbeiter Erich Ludendorff.

„Hindenburgprogramm“ (30. Sept.). Totalerfassung der Wirtschaft für die Kriegsproduktion, Verpflichtung der Industrie auf Verdreifachung der bisherigen Lieferungen, Generelle Einführung von Arbeiterausschüssen, erstmalige staatliche Anerkennung der Gewerkschaften als Tarifpartner.

1916/17

1916/17

„Kohlrübenwinter“. Sinken der durchschnittlichen Tagesration für die deutsche Bevölkerung auf die Hälfte des Mindestbedarfs (1.000 Kalorien).

1917

1917

„Osterbotschaft“ Kaiser Wilhelms II. Versprechen der Aufhebung des Dreiklassenwahlrechts in Preußen nach Kriegsende.

Abspaltung des linken Parteiflügels der SPD, Entstehung starker Bastionen der neuen USPD im Bergischen Land sowie in Köln und Düsseldorf.

Gründung der Deutschen Vaterlandspartei der politischen Rechten unter starker Beteiligung der rheinisch-westfälischen Schwerindustrie.

1918

1918

Umwandlung des Kaiserreichs in eine parlamentarische Monarchie und Ersuchen nach Waffenstillstand auf Initiative der 3. OHL (3. Oktober).

Novemberrevolution. Ausruf der sozialistischen sowie der parlamentarischen Republik durch Karl Liebknecht (USPD) und Philipp Scheidemann (SPD) in Berlin. Eigenmächtige Bekanntmachung der Abdankung Wilhelms II. durch Reichskanzler Prinz Max von Baden. (9. November)

Übernahme der provisorischen Reichsregierung durch den Rat der Volksbeauftragten (SPD und USPD) unter Friedrich Ebert.

Unterzeichnung des Waffenstillstands zwischen dem Deutschen Reich und den Alliierten in Compiègne (11. November):

Abtrennung der belgischen Kreise Eupen und Malmedy und des Saargebietes von der Rheinprovinz. Einrichtung von Besatzungszonen Frankreichs, Belgiens, Großbritanniens und der USA auf dem linken Rheinufer sowie drei alliierter rechtsrheinischer „Brückenköpfe“ um Köln, Koblenz und (das kurhessische) Mainz.

Formelle Abdankung Wilhelms II. als Deutscher Kaiser und König von Preußen, danach Exil in den Niederlanden. Ende der Monarchie in Deutschland.

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Die Rheinprovinz (in rot) im Gesamtbild des preußischen Staatsgebietes (um 1900).

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