Sayner Hütte in Bendorf

Sayner_Huette.jpg
Bendorf, Sayner Hütte © Rolf Kranz, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Gemeinde(n): Bendorf
Kreis(e): Mayen-Koblenz
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Adresse: In der Sayner Hütte 4, 56170 Bendorf
Architekt: Carl Ludwig Althans (1788-1864) 
Baujahr: 1828-1830, Erweiterung 1844-1845

Die Sayner Hütte liegt rechtsrheinisch zwischen Koblenz und Neuwied in der Stadt Bendorf, Ortsteil Sayn. Der Kurfürst Clemens Wenzeslaus von Sachsen (1739-1812) gründete hier 1769 eine Eisenhütte, die 1815 vom preußischen Staat übernommen wurde. Neben der Königlich Preußischen Eisengießerei in Gleiwitz (heute Gliwice) (gegr. 1796) und Berlin (gegr. 1804), war die Sayner Hütte die drittgrößte Eisengießerei Preußens.
Im ausgehenden 18. Jahrhundert und zu Beginn des 19. Jahrhunderts setzte mit der Gründung und dem Ausbau von Eisenhütten die Industrialisierung ein. In Bendorf konzentrierte sich die Produktion auf die Herstellung von Geschützrohren für die Festungen in Koblenz, aber auch auf die Produktion von Eisenkunstguss. Leiter des königlich preußischen Hüttenwerkes wurde der „Revisionsbaurat“ Carl Ludwig Althans. Nach seinen Plänen wurden zwischen 1828 und 1830 eine monumentalen Gießhalle und Hochöfen errichtet, um die Produktion der Eisenhütte ausweiten zu können. Die Pläne wurden vor der obersten Baubehörde, der Oberbaudeputation in Berlin, durch den Geheimen Baurat August Leopold Celle genehmigt. 

Die Sayner Hütte ist ein Musterbeispiel für den Eisenbau. Die Dachstühle der Eisenhütten in Berlin und Gleiwitz waren noch aus Holz gefertigt und dadurch feuergefährdet. Nach dem Vorbild des Brückenbaus entwarf Althans die Gießhalle allein aus Gusseisen und Glas. In ihrer architektonischen Form erinnert die Sayner Hütte an eine dreischiffige Basilika, wobei sich die Form aus den Produktionsabläufen ergab. Der erhöhte Lüftungsaufsatz über der Halle ermöglichte das Abziehen von Gasen und Hitze. Industriell vorgefertigte Bauelemente wurden zum Bau der Halle verwendet und die Auslegerkräne in der Halle waren um 360 Grad schwenkbar, da sie auf Kugellager fußten. Beides war auf dem europäischen Kontinent eine Neuheit und wurde beispielgebend für den Industriebau. Die Gießhalle wurde bereits zwischen 1844 und 1845 erweitert und die filigran gestaltete westliche Glasfront ebenfalls vorgezogen. 1865 erwarb Alfred Krupp das „Eisenhüttenwerk zu Sayn“ und ließ ein Direktorenhaus sowie die „Kruppsche Halle“ errichten. 

In den 1870ern verlor die Sayner Hütte zunehmend an Bedeutung, da Bendorf abseits schneller Transportwege lag. 1926 wurde die Sayner Hütte schließlich stillgelegt. Gelände und Gebäude gelangten 1927 durch den Verkauf Krupps in das Eigentum der Stadt Bendorf. Eine Bedingung für den Verkauf war, „die als historisches Kunstwerk anzusprechende Gießereihalle zu erhalten. Wesentliche bauliche Änderungen […] dürfen nicht vorgenommen werden.“ (Kierdorf/ Hassler S. 40.) Im Jahr 1976, kurz vor dem geplanten Abriss der Halle, erwarb die Heinrich Strüder AG die gesamte Anlage und schützte sie damit vor dem Verfall. In mehreren Abschnitten wurde die Gießhalle einschließlich Ofenschacht und Lüftungshaube restauriert. 

Die 2012 gegründete Stiftung Sayner Hütte kümmert sich heute um den Erhalt des Denkmalensembles bestehend aus der Krupp’sche Halle, der Gießhalle, dem Arkadengebäude, dem Haus Nr. 6 sowie dem Beamtenhaus (Comptoir). Das Denkmalareal und die Dauerausstellung sind für Interessierte zugänglich. 

Literatur (Auswahl):
Paul-Georg Custodis, Sayner Hütte, Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (Hg.), Regensburg 2012

Paul-Georg Custodis/Barbara Friedhofen/Dietrich Schabow, Sayner Hütte, Architektur, Eisenguss, Arbeit und Leben, Koblenz 2002

Alexander Kierdorf/Uta Hassler, Denkmale des Industriezeitalters, Von der Geschichte des Umgangs mit Industriekultur, Tübingen [u.a.] 2000, S. 40-43

Albert Knaff, Die Sayner Hütte und ihre Gießhalle, in: Kruppsche Monatshefte 3 (1922), S. 179-184


Sayner_Huette_Giesshalle.jpg
Rolf Kranz, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
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