Wir über uns

Hier stellen wir Ihnen die Beteiligte des Wissensportals vor.

Portrait: Martin Bredenbeck
Dr. Martin Bredenbeck © LVR-Niederrheinmuseum Wesel

Dr. Martin Bredenbeck, Kunsthistoriker, Wissenschaftlicher Referent am LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland/Brauweiler & Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz, Regionalverband Rhein-Mosel-Lahn/Koblenz

Frage: Warum ist die preußische Zeit im Rheinland aus Sicht der Denkmalpflege interessant – und was hat sie mit unserer Gegenwart zu tun?

Dr. Martin Bredenbeck: Überall im Rheinland finden wir die gebauten Spuren der Preußen-Zeit, einer Epoche, in der die Wirtschaft oft prosperierte, das Bevölkerungswachstum die Städte anwachsen ließ, Infrastrukturen ausgebaut und ganze Landschaften umgeformt wurden. Schulen und Museen, Justiz- und Polizeigebäude, Rathäuser, Verwaltungsbauten, Eisenbahnbrücken sind ein paar Beispiele, teils von den Kommunen, teils von der Provinzialverwaltung errichtet. Auch die Bauten für Krieg und Verteidigung muss man natürlich erwähnen. Stilistisch fällt diese Zeit mit der Epoche zusammen, die als Historismus bezeichnet wird: wegen der Rückgriffe auf Formen der Vergangenheit, durch die Botschaften vermittelt werden sollten. So erzählt die Hohenzollernbrücke in Köln zugleich von modernster Ingenieurstechnik und von Geschichtsbewusstsein, weil ihre Brückentürme an eine Burg oder ein Stadttor erinnern. Und dann sind da natürlich die vielen Standbilder, z.B. von Herrscherpersönlichkeiten oder Feldherren, die heute durchaus kontroverse Reaktionen auslösen können. Im preußischen Rheinland des 20. Jahrhunderts ging das intensive Bauen oft weiter, so dass z. B. auch aus den 1920er und frühen 1930er Jahren eine Menge bedeutender Objekte überliefert ist. Viele Bauten haben zudem bis heute nichts von ihrer Funktionalität verloren! Und viele stehen unter Denkmalschutz. Dabei ist interessanterweise der staatliche Denkmalschutz, wie wir ihn heute kennen, selbst ein Kind der damaligen Zeit.

Dr. Veit Veltzke © LVR-Niederrheinmuseum Wesel

Dr. Veit Veltzke, Historiker, Leiter des LVR-Niederrheinmuseums Wesel

Frage: Besitzt der Untere Niederrhein im Verhältnis zum preußischen Staat besondere Konturen, die ihn von den anderen Gebieten der Rheinprovinz abheben?

Dr. Veit Veltzke: Erst einmal umfasst er mit dem Herzogtum Kleve zusammen mit der ihm eng verbundenen westfälischen Grafschaft Mark Territorien, die bereits im 17. Jahrhundert zu Brandenburg-Preußen gehörten – ein Besitz der dann im frühen 18. Jahrhundert um das Fürstentum Moers und den Hauptteil des Oberquartiers Geldern arrondiert werden konnte. Da sich in dieser Zeit das Verhältnis zu Preußen meist entlang der Konfessionsgrenzen definierte, durfte Preußen am Niederrhein in erster Linie unter seinen evangelischen Untertanen in Kleve-Mark auf eine stärkere Verbundenheit rechnen. Im Vergleich zur späteren Rheinprovinz durch stärkere protestantische Anteilen gekennzeichnet, wurde in dieser konfessionellen Mischlandschaft unter preußischem Zepter eine allerdings verordnete Toleranz eingeübt.
Eine Konstante des Unteren Niederrheins ist sicher die enge Verbindung zu den Niederlanden. Mit dem Herzogtum Kleve öffnete sich für Brandenburg und später für Preußen ein Tor zur westlichen Welt, durch das geistige, künstlerische und wirtschaftliche Einflüsse strömten, die grundlegend zur preußischen Staatsbildung und Prosperität beitrugen.
In Kleve-Mark bildete sich im 18. Jahrhundert eine leistungsfähige, überwiegend bürgerliche Verwaltungselite heraus, der das sonst für die preußische Bürokratie so signifikante starke Adelselement fehlte. Staatsdiener, die aus diesem „altpreußischen“ Westen hervorgingen, sollten seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts bedeutende Funktionen im preußischen Staatswesen wahrnehmen.
Im Gegensatz zu den mittleren und östlichen Provinzen Preußens besaßen Handel und Gewerbe am preußischen Niederrhein Nach dem Siebenjährigen Krieg größere Freiräume und Kompetenzen der Selbstverwaltung, die man effektiv zu nutzen verstand. Preußens äußerster Westen wurde so streckenweise zu einem Laboratorium der Moderne – auch mit Auswirkungen auf die spätere Rheinprovinz.

Portrait: Georg Mölich
Georg Mölich © LVR-Niederrheinmuseum Wesel

Georg Mölich, Historiker, Wissenschaftlicher Referent am LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte

Frage: Welche Bedeutung hat für Sie die Beschäftigung mit der langen Beziehungsgeschichte zwischen dem preußischen Staat und den rheinischen Gebieten aus der Perspektive der rheinischen Landes- und Regionalgeschichte?

Georg Mölich: Erst im 19. Jahrhundert entstand das Rheinland als politisch-administrative Einheit. Es war ein wesentliches Ergebnis der Übertragung der Herrschaft an den preußischen Staat auf dem Wiener Kongress. Damit waren einheitliche Rahmenbedingungen gegeben, die das Gebiet, das dann unter dem Namen „Rheinprovinz“ firmierte, prägten. Die Beziehungsgeschichte zwischen dem neuen Gebiet im Westen und Preußen war aber keine Einbahnstraße von Ost nach West – der preußische Staat und damit letztlich auch der 1871 entstandene deutsche Nationalstaat wurden auch durch Personen, Ideen und Ereignisse im Westen nachhaltig geprägt. Diese Verflechtungen sind heute Gegenstand einer modernen rheinischen Landes- und Regionalgeschichte, wenn sie sich auf die etwa 130 Jahre nach 1815 bezieht. Durch die zu Brandenburg-Preußen auch schon im 17. und 18. Jahrhundert gehörenden Gebiete im Westen verlängert sich diese Perspektive sogar noch weiter zurück.

Daniela Bennewitz, Kunsthistorikerin, Wissenschaftliche Mitarbeiterin für den Rheinischen Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz e.V.

Frage: Was ist an dem künstlerischen wie baukünstlerischen Einfluss Preußens auf das Rheinland so besonders?

Daniela Bennewitz: Trotz der geographischen Entfernung zwischen den preußischen Kernlanden und dem Rheinland zeigt das künstlerische und baukünstlerische Engagement der Hohenzollernherrscher die starke Verbundenheit mit diesem Landesteil. Da spielt die Neugründung der Kunstakademie Düsseldorf durch Friedrich Wilhelm III. eine große Rolle, wodurch sich Düsseldorf als Kunstmetropole im Westen etablieren konnte. Auch die Kunstpolitik Friedrich Wilhelms IV. übte einen starken Einfluss auf rheinische Städte und die Landschaft aus.
Spannend sind zudem die Synergieeffekte, die sich aus der preußischen Herrschaft ergaben. Der Klassizismus Karl Friedrich Schinkels wird weitgehend mit der Stadt Berlin assoziiert, allerdings lassen sich auch im Rheinland Zeugnisse seines Wirkens finden. Zahlreiche Skizzen und Briefe seiner Rheinreisen belegen zudem, wie beeindruckt er sich von Land und Leuten zeigte. Nicht zuletzt schafft es der „Bönnsche Jung“ Peter Joseph Lenné zum General-Gartendirektor der königlich-preußischen Gärten aufzusteigen. Seine Planungen im Rheinland, wie beispielsweise die Augusta Anlagen in Koblenz oder die Flora in Köln, geben Auskunft über Lennés persönliche gartenkünstlerische Auffassung. Im Querschnitt vermitteln sie aber auch ein sich wandelndes Verständnis von Gartenbaukunst einer ganzen Epoche.

Portrait: Helmut Langhoff
Helmut Langhoff © LVR-Niederrheinmuseum Wesel

Helmut Langhoff, Historiker, Wissenschaftlicher Mitarbeiter "Preußen im Rheinland"

Frage: Bietet das Thema des neuen Geschichtsportals auch aktuelle Bezüge?

Helmut Langhoff: Natürlich berührt gerade unser Thema mit seinem regionalgeschichtlichen Ansatz wesentliche Fragen, die auch gegenwärtig von Belang sind und immer bleiben werden: staatliche Vereinigung und Integration, staatliches Monopol oder regionale Eigenständigkeit, politische Partizipation, sozialer Ausgleich, Öffentlichkeit und Meinungsfreiheit, Gleichberechtigung, Toleranz gegenüber Andersdenkenden- und gläubigen. Man sollte jedoch die Suche nach Aktualisierung nicht überstrapazieren. Die „preußische“ Vergangenheit unserer Region enthält eben auch sehr viel endgültig Vergangenes. Information darüber und Auseinandersetzung damit sind jedoch nichts „Unwichtiges“ und dienen einem „aktuellen“ Zweck an sich: Das Gewordensein der Gegenwart besser zu begreifen und den eigenen aktuellen Standort näher zu bestimmen. Das neue Portal stellt eine moderne Ergänzung zu anderen Fundorten historischer Information dar und wird hoffentlich auch von jungen Interessenten ausgiebig besucht werden.

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Die Rheinprovinz (in rot) im Gesamtbild des preußischen Staatsgebietes (um 1900).

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