Friedrich II., der Große (1712-1786)

Portrait: Friedrich der Große
Friedrich der Große, grüßend, Werkstatt Johann Heinrich Christian Franke, Öl auf Leinwand, 1766, Berlin © LVR-Niederrheinmuseum Wesel, Dauerleihgabe Ludwig-Galerie Oberhausen

Der älteste Sohn Friedrich Wilhelms I. regierte wie sein Vater in uneingeschränkter Alleinherrschaft. Friedrich der Große sah sich als „ersten Diener des Staates“, der „im Auftrag“ seiner Untertanen zu ihrem Wohl regiert, allerdings ohne dabei Einschränkungen und Kontrollen unterworfen zu sein. 

Mit dem gescheiterten Fluchtversuch des Kronprinzen eskalierte 1730 der Gegensatz zwischen Vater und Sohn, dem ein langer Konflikt zwischen dem unerbittlichen Bestehen des cholerischen Vaters auf dienstliche Pflichterfüllung und den individuellen musisch-literarischen Neigungen des Kronprinzen zugrunde lag. Nur die vollständige Unterwerfung unter den Willen des Vaters erhielt dem Sohn die Aussicht auf den preußischen Thron, den er 1740 als Friedrich II. bestieg. 

Unmittelbar nach der Thronbesteigung brachte er aufsehenerregend moderne Erlasse zur Religions-, Bevölkerungs- und Pressepolitik auf den Weg und verbot weitestgehend die Folter. Der junge König nutzte gleich seine erste Reise in die westlichen Provinzen, um im September 1740 auf Schloss Moyland in Bedburg-Hau den französischen Philosophen und Schriftsteller Voltaire (1694-1778) zu treffen, mit dem er bereits seit Jahren in regem schriftlichem Austausch stand.

Hatte Friedrich sich sogleich als „Roi Philosophe“ (Der aufgeklärte König) zu erkennen gegeben, so folgte er ebenso schnell seinem zweiten Herrschaftsideal des „Roi Connétable“ (Der König als Heerführer) und marschierte im September 1740 mit seiner Armee ins österreichische Schlesien ein. Durch die Eroberung und Behauptung Schlesiens in drei Kriegen verlagerte sich das innere Schwergewicht des preußischen Staates endgültig nach Osten.

Den preußischen Niederrhein besuchte Friedrich II. während seiner Regierungszeit insgesamt sechs Mal im Rahmen seiner Inspektionsreisen, zuletzt 1768. Der aufblühenden Seidenindustrie in Krefeld schenkte er besondere Beachtung. Die Schiffbarmachung der Ruhr von Langschede bei Unna bis Ruhrort durch die Anlage von 16 Schleusen zwischen 1776 und 1780 war ein infrastrukturelles Großprojekt und ermöglichte den späteren wirtschaftlichen Aufstieg des Ruhrtals.

Die 1766 auch in den westlichsten Provinzen zunächst eingeführte Steuerregie nach französischem Vorbild stieß auf den Widerstand der einheimischen Kaufleute, der von den Beamten vor Ort geteilt wurde, und wurde vom König kurz darauf wieder aufgehoben. Weitere Maßnahmen der Regierungszentrale führten dazu, dass besonders die preußischen Gebiete am Niederrhein in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts in wirtschafts- und währungspolitischer Hinsicht zunehmend ein „Eigenleben“ führten.

Hingegen intensivierte sich in der friderizianischen Zeit erneut die geistige und kulturelle Westbindung Preußens, wobei der preußische Niederrhein wiederum als Verbindungsstation fungierte. Gerade die im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts hier rasch entstehenden Freimaurerlogen in Kleve, Wesel, Emmerich, Duisburg, Ruhrort und Krefeld waren Orte eines ständeübergreifenden Austauschs und verbreiteten auch die Ideen der Aufklärung. Friedrich war bereits 1738 als Kronprinz einer Hamburger Freimaurerloge beigetreten. Als König zog er sich aus der aktiven Maurerei zurück, förderte jedoch die Gründung neuer Logen in Preußen.

Bereits von den Zeitgenossen ab 1745 als „der Große“ bezeichnet, gilt Friedrich II. als der bedeutendste Herrscher seiner Zeit. Er festigte Preußen innenpolitisch, vergrößerte es beträchtlich und etablierte es als kleinste europäische Großmacht. Sein Ruhm als Feldherr steht neben einer enormen zivilen Arbeitsleistung. Friedrich der Große betätigte dazu lebenslang seine musikalische Begabung und beteiligte sich mit umfangreichen literarischen Arbeiten an der intellektuellen europäischen Diskussion seiner Zeit. Sein Naturell und Regierungshandeln waren von Gegensätzen geprägt. Hier finden sich unbedenkliche Machtpolitik, Misanthropie und Zynismus ebenso wie aufgeklärte Humanität, stoische Geisteshaltung und redliche Pflichterfüllung.  

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